Vor 50 Jahren war der FC Bayern München in Landau zu Gast, und die Schlagzeile der „BILD“ lautete tags darauf:

17 Bayern-Treffer – und ein Torwart wollte sterben!“

10. Januar 1976: „Ablösespiel“ für SV-Keeper Hubertus Licht vor über 5 000 Zuschauern.

Hinten von links:
1. Vorsitzender Rudolf Licht, – sowie die „Bayern“: Reiner Künkel, Ludwig Schuster, Karl-Heinz Rummenigge, Jürgen Marek, Bernd Dürnberger, Rainer Zobel, Bernd Förster, Franz Roth, Hubertus Licht, Franz Beckenbauer und Schiedsrichter Otto Ratzenböck (SpVgg Forsthart).

Mittle von links:
Max Geiger, Rudi Pritzl, Werner Gschwendtner, Wolf Kammermeier, Bernhard Czokan, Peter Muchka, Heinz Kramlinger, Franz Gabler und Josef Teinzer.

Vorne von links:
Roland Kudler, Sepp Johann, Jonny Hansen (FCB) Hans Maier, Wolfgang Müller, Peter Stadler und Manfred Kliefoth, sowie die Balljungen.

Bis auf Torhüter Sepp Maier und „Bomber“ Gerd Müller kamen alle Bayern-Spieler zum Einsatz!

Als im Sommer 1975 der damals 20-jährige Torhüter des SV Landau in die Profi-Abteilung des FC Bayern München wechselte, wurde von dessen Vater Rudolf Licht, von 1974 – 1977 1. Vorsitzender und später Ehrenmitglied, als „Zugabe“ zur Ablösesumme von 18 000,- DM auch gleich noch ein Gastspiel gegen den Europapokal-Sieger der Landesmeister von 1974 und 1975 vereinbart, woraus der Verein noch einmal einen Teil der Einnahmen behalten durfte.

Das Detail, dass die Vereinsführung dieses Geld in die „Baustein-Aktion“ für das neu geplante Landauer Krankenhaus investierte, sollte nicht unerwähnt bleiben.

Übrigens war es nicht der erste Antritt der „Roten“ an der Isar, die bereits 1928 zusammen mit der SpVgg Fürth zu einem Pokalturnier in Landau zu Gast waren.


Werner Gschwendtner (72) war in der Schüler und Jugend selber Mitspieler von Hubertus Licht bei den SV-Junioren, gehörte aber im Januar 1976 zu dessen Gegenspielern auf Seiten des SV Landau!
Die „Bayern“ um Manager Robert Schwan und Trainer Dettmar Cramer nahmen diesen Termin am 10. Januar 1976 wahr, ehe sie sich danach auf direktem Weg mit dem gesamten Kader ins Trainingslager nach Herzogenaurach begaben.
Franz Holzmeier, FSV-Pressewart, erlebte die Partie zwar als Zuschauer, unterhielt sich aber über die Einzelheiten mit Werner Gschwendtner, einer der damaligen und langjährigen Seniorenspieler des SVL, der sich noch genau an dieses für ihn und jeden seiner Mitspieler, sowie alle involvierten Funktionäre unvergessliches Erlebnis, erinnern kann, als läge dieses Spiel nicht bereits 50 Jahre zurück.

Die Senioren-Mannschaft des SV Landau hatte zwar aus dem Gastspiel des 1.FC Nürnberg im Jahr 1974, – anlässlich der 750-Jahrfeier der Stadt Landau bei den Bergstädtern zu Gast war – bereits Bekanntschaft mit einem Bundesligisten gemacht und hatte sich bei der 0:6-Niederlage recht wacker geschlagen, aber das Spiel gegen den FC Bayern war natürlich noch eine ganze „Hausnummer“ größer, und somit etwas ganz Besonderes.

Selber war das SV-Team im Mai 2975 aus der Bezirksliga abgestiegen, und musste auch in der damaligen A-Klasse (inzwischen Kreisliga) lange Zeit um den Klassenerhalt bangen.

„Der gesamte Verein und die Freunde des Fußballs aus der Region fieberten seit Wochen dem Spiel gegen den großen FC Bayern mit seinen nationalen und internationalen Stars entgegen, wobei wir uns um diese Jahreszeit in der Winterpause befunden hätten, aber natürlich wurden wir unseren Fähigkeiten entsprechend, von unserem damaligen Trainer Fritz Karl gezielt auf dieses Match vorbereitet,“ so Werner Gschwendtner.

„Die Gäste wurden ab der B11 – die Autobahn gab es damals noch nicht – von einem dort postierten Lotsen“ nach Landau dirigiert und parkten ihren Bus im Innenhof des Gymnasiums, wo ihnen deren etwas modernere Kabinen und Duschen zugewiesen waren, während wir uns wie gewohnt im Altbau der damaligen Turnhalle umzogen“, schildert Werner Gschwendtner.

Zu dieser Uhrzeit, etwa 90 Min. vor Spielbeginn, Anstoß war um 14 Uhr, bildeten sich bereits Staus aus allen Richtungen, denn jeder Fußball-Anhänger wollte dabei sein, so dass über 5 000 Besucher am Einlass gezählt wurden.

Ohne Ballberührung in Rückstand geraten!

„Dass wir noch nicht einmal den Ball berührt hatten, ehe Bern Dürnberger bereits zum 1:0 für die Bayern ins Kreuzeck traf, war schon mal ein erster Vorgeschmack darauf, was uns in den kommenden 90 Min. erwarten würde, so der damalige Abwehrspieler, der es gut fand, dass in diesem Match jeder der 18 SV-Akteure aus dem A-Klassen-Kader zum Einsatz kam.

Unter ihnen auch die drei Torhüter, Heinz Kramlinger, Peter Stadler und Wolf Kammermeier, die sich im SV-Gehäuse zwar im 30-minütigen Turnus abwechselten, aber dennoch 17 Gegentore hinnehmen mussten, ehe Schiedsrichter Otto Ratzenböck diese für die Zuschauer, darunter viele Bayern-Fans, sehr unterhaltsame Partie abpfiff.

Natürlich hütete mit Hubertus Licht das Landauer „Eigengewächs“ als Vertreter von National-Keeper Sepp Maier, das Tor der „Bayern“ und hatte aufgrund der Überlegenheit seines Teams um Franz Beckenbauer, „Bulle“ Roth, Bernd Förster, Björn Anderson, Jonny Hansen, Udo Horsmann, Karl-Heinz Rummenigge, „Katsche“ Schwarzenbeck, Bernd Dürnberger, Reiner Zobel und Co. wenig Gelegenheit um sich auszuzeichnen.

Magischer Moment: Bernhard Csokan traf für den SV!

Dass sein ehemaliger Team-Kollege, Linksaußen Bernhard Csokan im Verlauf der zweiten Halbzeit Hubertus Licht per Kopfball nach Freistoßflanke von Josef Teinzer mit dem Ehrentreffer zum Endstand bezwang, wird dem damaligen Torschützen für immer in Erinnerung bleiben.

Ob dieser von den Bergstädtern umjubelte Treffer nicht zu verhindern gewesen wäre, oder ob die Bayern dem Gastgeber den Torerfolg als Ehrentreffer „gestatteten“, darüber kann auch 50 Jahre später nur spekuliert werden.

Schlagzeile der „BILD!“

Überliefert ist hingegen die Schlagzeile der Bild-Zeitung, die da lautete: „17 Bayern Treffer und ein Torwart wollte sterben!“ Die Vorgeschichte war, dass SV-Keeper Heinz Kramlinger, der zu Beginn der Partie im Kasten stand, gleich mehrfach hinter sich greifen musste und bei seiner Auswechslung nach 30 Min. vor der Trainerbank gegenüber den Ersatzspieler lautstark verkündete, „I mog sterbn!“

Sepp Maier als „Zauberer und Spaßvogel!“

Als Erinnerungs-Geschenk erhielt zudem jeder von uns Spielern einen Bayern-Wimpel überreicht!“

Noch gut im Gedächtnis dürfte dieses Erlebnis den Spielern der damaligen Schüler-Teams (C-Jugend) geblieben sein, die als Balljungen fungierten, wobei dem damals knapp elfjährigen Werner Brunner die Ehre zu Teil wurde, an Kapitän Franz Beckenbauer den Erinnerungs-Wimpel des SV Landau zu überreichen.



Sehr freundschaftlich und lustig ging es auch nach dem Spiel zu, als sich beide Vereins-Delegationen in der Landwirtschaft-Schule (LWS) – Rudolf Licht war Direktor der Schule – zum Buffet trafen, wo sie von den Frauen und Mädchen der „LWS“ vorzüglich bewirtet wurden. Werner Gschwendtner erinnert sich:
Sepp Maier, der sich während des Spiels im Sport-Casino aufhielt, um Autogramme zu schreiben, und um sich nebenbei eine Wintersport-Übertragung zu Gemüte zu führen, bestätigte seine Fähigkeiten als Zauberer und Spaßvogel, wobei sich die gesamte Bayern-Delegation in Klein-Gruppen aufteilten, so dass wir unsere anfängliche Scheu sehr schnell ablegten, an den Tischen gegenseitig gut ins Gespräch kamen, und beste Gelegenheit hatten, die uns bis dahin nur aus dem Fernsehen bekannten Profis, als völlig unkomplizierte Persönlichkeiten kennenzulernen!“

Das damalige Aufgebot des SV Landau:

Torhüter: Heinz Kramlinger, Peter Stadler und Wolf Kammermeier.
Feldspieler: Hans Maier, Peter Muchka, Anton Ledintschak, Reinhard Plechinger, Josef Johann, Wolfgang Müller, Manfred Kliefoth, Franz Gabler, Roland Kudler, Werner Gschwendtner, Franz Vogl, Rudi Pritzl, Max Geiger, Bernhard Csokan und Josef Teinzer.